HAUT AUS STEIN

Mit dieser Arbeit richte ich den Blick auf das, was bleibt, wenn gesellschaftliche und politische Ordnungen ihren Halt verlieren und in Gewalt umschlagen. Ausgangspunkt des Triptychons sind Bunkeranlagen an der dänischen Küste, Relikte des Atlantikwalls aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie stehen für den Moment, in dem Ideologie zu Handlung wird, in dem Grenzen nicht mehr gedacht, sondern gebaut und mit Gewalt durchgesetzt werden. In ihren Einschlägen, Brüchen und Erosionen tragen sie bis heute die sichtbaren Spuren dieser Entscheidung.

Mich interessiert dabei weniger das historische Dokument als die eingeschriebene Konsequenz. Die Arbeit richtet den Blick nicht auf den Moment des Umschlags selbst, sondern auf das, was danach entsteht. Auf jene Zustände, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Auf Spuren ohne Rückkehr. Im Zentrum des dreiteiligen Werkes steht der Einschlag einer Granate. Hitze, Druck und Zerstörung haben den Beton verändert, ihn partiell aufgelöst und in eine fast stoffartige Struktur überführt. Es entstehen Formen, die organisch wirken, als würde der Stein selbst beginnen zu reagieren. Das Innere kehrt sich nach außen.

In der Anlage als Triptychon wird diese Verdichtung zusätzlich aufgeladen. Die Arbeit öffnet sich wie ein Altarbild, jedoch nicht im religiösen Sinn, sondern als Ort der Konfrontation. Was hier sichtbar wird, fordert Betrachtung ein. Es verweist auf eine Form von Erinnerung, die sich nicht entziehen lässt. Obwohl die Arbeit 2018 entstanden ist, erscheint sie heute in neuer Dringlichkeit. In einer Gegenwart wachsender geopolitischer Spannungen und neuer Kriege verschiebt sich unser Gefühl von Stabilität. Das, was lange fern schien, rückt näher. Die Spuren vergangener Gewalt beginnen sich mit der Gegenwart zu überlagern.

Die fotografische Verdichtung löst die Bauten aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und macht sie zu Trägern eines Zustands, der nicht vergangen ist. Der Fokus auf Details lässt den Schmerz beinahe körperlich erfahrbar werden. Der Stein wirkt nicht mehr starr, sondern verletzlich. Die Arbeit versteht Krieg nicht als abgeschlossenes Ereignis, sondern als latente Möglichkeit. Sie verweist auf jene unscheinbaren Übergänge, in denen aus Ordnung Unruhe wird und aus Unruhe Zerstörung, und auf die Spuren, die bleiben, wenn dieser Punkt überschritten ist.

TITEL: “HAUT AUS STEIN”

JAHR: 2018

TECHNIK: Fotografie auf Hahnemühle Photo Rag Smooth, kaschiert auf 3 mm Dibond

FORMAT: 120 x 80 cm | 120 x 190 cm | 120 x 80 cm

AUFLAGE: 01/03

PREIS: Auf Anfrage

Zurück
Zurück

HIDDEN FACES

Weiter
Weiter

IN THE SHAPE OF FEELING